buch22

Der neue Genearationenvertrag, 1988 (Auszüge)

"Die frühere Aufteilung in Arbeit und Freizeit wird einer neuen Dreiteilung weichen müssen, nämlich Arbeitszeit, Sozialzeit und Freizeit.
Unter Sozialzeit wird nicht nur die Zeit verstanden werden können, in der wir uns um den eigenen Vater kümmern, sondern auch die Zeit, in der wir uns um Menschen kümmern, mit denen wir nicht verwandt sind. Das soziale Engagement kann nicht einfach an bezahlte Kräfte delegiert werden. Wir brauchen eine Infrastruktur ehrenamtlicher Hilfen.
Ehrenamtliche Arbeit kann oft unmittelbarer, natürlicher, wärmer sein als professionelle, die immer auch eine gewisse Distanz voraussetzt. Es gibt Bereiche, wo professionelle Qualifikationen nicht notwendig sind, wo persönliche Betroffenheit die Hauptsache ist. Und: Betreuung bedeutet oft ganz schlicht: Zeit haben für Alltäglichkeiten.
Der Staat kann ehrenamtliche Hilfen nicht verordnen. Er kann aber die Voraussetzung schaffen, unter denen ehrenamtliche Hilfe möglich wird. Ehrenamtliche Hilfen sind nicht voraussetzungslos. Unsere Aufgabe ist es, Helfen leichter zu machen. Wir brauchen eine Infrastruktur für ehrenamtliche und freiwillige Hilfen. Darüber hinaus müssen die Fähigkeiten und die Bereitschaft zum Helfen eingeübt werden. Ich hoffe, daß von diesem Kongreß aus neue Ansätze und Modelle in die Diskusssion eingebracht werden, Beispiele aus dem Ausland, aber auch Ansätze, die bei uns erprobt werden. Mut zum Experiment ist gefragt.

Vermittlungsprobleme lösen und Anlaufstellen schaffen

Das Wichtigste, was wir schaffen müssen, ist, Hilfsbedürftige und Helfer zusammenzubringen. Sie müssen sich kennenlernen. Neue Formen der Vermittlung zwischen Hilfesuchenden und Helfern müssen gefunden werden.
Im Kiezbereich brauchen wir Anlaufstellen und Treffpunkte. Sollte das Motto der Zukunft nicht lauten: Nachbarschaftsheime statt neuer Schwimmbäder, Selbsthilfetreffs statt Oberstufenzentren?
Das Vermittlungsproblem löst sich spontan und unorganisiert. Dazu werden auch neue professionelle Helfer benötigt werden. Erwerbsarbeit wird heute durch die Bundesanstalt für Arbeit vermittelt. 16000 Menschen beschäftigen sich damit hauptberuflich. Wer aber bringt Hilfebedürftige und freiwillige Helfer zusammen?

Fähigkeiten zum Helfen einüben, Helfen lernen

Bereitschaft zum Helfen fördern