Auszug aus dem Tagesspiegel 10.10.07

HEIK AFHELDT trifft…
Ulf Fink Senator a. D. Auf der Überholspur

Vital und braungebrannt von der österreichischen Alpensonne, so kommt der ehemalige Berliner Gesundheitssenator, der am vergangenen Wochenende 65 Jahre alt geworden ist, ins Borchardt. Dort kennt man Ulf Fink. Kein Wunder bei der Vita, die der gebürtige Sachse aus Freiberg und schon seit Jahrzehnten sozialpolitisch heftig engagierte Volkswirt und CDU-Politiker aufzuweisen hat. An Parteiprogrammen und vielen Reformen hat er mitgewirkt. Ob es um Kostendämpfung im Gesundheitswesen, um die Rentenreform oder die Beteiligung von Mitarbeitern am Produktivvermögen ging. Ob als Bundesgeschäftsführer der CDU, als Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, als stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) oder als Abgeordneter – sowohl im Bundestag als auch im Berliner Abgeordnetenhaus.
Als eine Wurzel für sein ausgeprägtes Gefühl für soziale Fragen und für Gerechtigkeit ortet er die karge Zeit nach dem Krieg und die Erfahrung, sich gegenüber seinen fünf Brüdern – davon vier aus der zweiten Ehe seiner Mutter – behaupten zu müssen. Sein Vater war mit nur 26 Jahren im Krieg gefallen. Aber eigentliche Not habe er dennoch nie erfahren und auch mit seiner zweiten Familie hat der Junge – auch christlicher Pfadfinder - immer ein herzliches Verhältnis gehabt. Das galt aber nicht für den zweifellos „großen Politiker“ Helmut Kohl, mit dem er nie wirklich „gut konnte“.
Seit mehr als zehn Jahren setzt sich Ulf Fink kräftig und mit wachsendem Erfolg für die Gesundheitsstadt Berlin ein. Zunächst als Initiator des jährlichen „Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit“ mit zuletzt 7000 Teilnehmern – das Branchenereignis – und nun auch ehrenamtlich für den 2003 gegründeten gemeinnützigen Verein „Gesundheitsstadt Berlin“, der aus Beiträgen heute pro Jahr über 250 000 Euro verfügt.
Was er im deutschen Gesundheitswesen ändern will, ist ihm glasklar. Die Prävention und die eigene Verantwortung für die Gesundheit müssen ganz oben stehen. Die Qualität muss sich dramatisch verbessern – und das geht nur über mehr Transparenz und Wettbewerb. Und hier lobt er die innovative und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel beim großen Berliner Klinikvergleich. Für Berlin sieht er enorme Möglichkeiten, an die große Vergangenheit anzuknüpfen, international Aufmerksamkeit und auch Patienten zu gewinnen. Das Herzzentrum, von ihm seinerzeit mitgeschaffen, ist da ein weithin strahlender Leuchtturm – und leider ein Solitär.
Seine Frau und ihre beiden Kinder sind alle für das von ihm gegründete Institut für Wirtschaft und Soziales tätig. Der Sohn besorgt den Internetauftritt, die Tochter managed den Europäischen Gesundheitskongress in München. Mit seinen fünf Brüdern spielt Fink gelegentlich im Gitarren-Sextett und dazu singen sie in ihrem Haus hier im Grunewald oder anderswo.


Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel
Ulf Fink (65),Diplomvolkswirt, ist Vorsitzender des Vorstandes von „Gesundheitsstadt Berlin“ und des Büros für Gesundheit und Prävention und Präsident des Kneipp-Bundes