Auszug aus der Mindelheimer Zeitung 10.10.07
"Das Gesundheitssystem muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden"
Bad Wörishofen. Kneipp-Bund-Präsident Ulf Fink hat am Wochenende seinen 65. Geburtstag gefeiert. Barbara Knoll sprach mit dem früheren Bundesgeschäftsführer der CDU, Ex-Senator und Bundestagsabgeordnetem über die Zukunft des Verbandes und über Finks eigene Zukunftspläne.
Was bedeutet Ihnen dieser Geburtstag? Denken Sie schon an Ruhestand?
Ulf Fink: 65 zu werden ist natürlich ein besonderes Ereignis. Da geht einem so manches durch den Kopf. Aber der 65. Geburtstag hat nicht mehr die Bedeutung wie früher. Viele müssen sich schon vor 65 zur Ruhe setzen, andere haben das Glück, noch weitermachen zu können. Ich fühle mich noch fit und möchte gerne weitermachen.
Ihr Parteifreund Heiner Geißler war gerade im Rahmen des "Festivals der Nationen" zu Gast in Bad Wörishofen, sprach zum Thema "Beethoven und die Mächtigen".
Wie beurteilen Sie denn so die Mächtigen, die Regierung in unserem Land?
Ulf Fink: Ich bin mir mit Heiner Geißler darin einig, dass gar nicht mehr so leicht auszumachen ist, wer die Mächtigen im Land sind. Ist es wirklich die Politik oder sind es die großen Unternehmen, die über Arbeitsplätze und Wachstum entscheiden, sind es die Medien oder sind es die "global players"? Aber noch ein Wort zur Bundespolitik: Ich finde, die große Koalition und die Bundeskanzlerin machen über das Ganze gesehen keine schlechte Politik.
Sie stammen aus Freiberg, einer Kleinstadt zwischen Chemnitz und Dresden, sind heute aber Ihrem Stiefvater auch dankbar für den Umzug in den Westen. Dennoch haben Sie eine enge Verbindung zu Ostdeutschland. Der Solidarbeitrag nach so vielen Jahren des Zusammenschlusses wird immer mehr in Frage gestellt, was ist Ihre Meinung zu diesem Punkt?
Ulf Fink: Die Solidarität des Westens mit dem Osten wird noch eine ganze Zeit notwendig sein. 45 Jahre Unrechtsregime haben dem Osten schwersten Schaden zugefügt. Es war ein Irrtum zu glauben, dies sei in 15 Jahren aufzuholen.
Auch zur Türkei haben Sie eine ganz besondere Beziehung, kennen das Land gut. Ist es reif für einen EU-Beitritt?
Ulf Fink: Zurzeit noch nicht. Aber die Türkei gibt sich wirklich viel Mühe, wir dürfen die historische Chance nicht verpassen, die in dem Wunsch der Türkei nach dem EU-Beitritt liegt. Wenn wir ihnen die kalte Schulter zeigen, treiben wir sie Kräften in die Arme, die uns wahrhaftig nicht freundlich gesonnen sind.
Bad Wörishofen bezeichnet sich selbst gerne als die Wiege der Kneippkur. In Ihrem Lebenslauf verschwindet die Ernennung zum Kneipp-Bund-Präsident 1997 fast. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
Ulf Fink: In meinem Lebenslauf ist die Wahl zum Kneipp-Präsidenten ein wichtiges Ereignis. Unser Gesundheitswesen muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Das heißt Gesundheitsförderung, Prävention und Naturheilkunde müssen Vorrang haben. Das ist Kneipp!
Gerade hat der Kneipp-Bund im Internet die Kneipp-Visite vorgestellt. Leider sind diese Seiten nur für Mitglieder voll nutzbar. Hat der Kneipp-Bund da nicht auch eine große Chance der Breitennutzung und der größeren Bekanntmachung der Kneipptherapie verpasst?
Ulf Fink: Im Gegenteil - diese Seiten im Internet - www.kneippvisite.de - sind für alle offen. Für den geringen Jahresbeitrag von 20 Euro kann jeder das umfangreiche Kneipp-Naturheilkunde-Lexikon nutzen, auch wenn er nicht unbedingt Mitglied im Kneipp-Verein sein möchte.
Solch ein Geburtstag ist immer auch ein Tag der Vorschau. Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Ulf Fink: Ganz viele schöne Sachen: zum Beispiel Präsident des Kneipp-Bundes bleiben, interessante Projekte zu befördern, viel Sport - vor allem Tennis - zu betreiben und mit meiner Frau die eine oder andere schöne Reise zu machen.
